Das All Star Team der EM 2008

Na klar, das wird von Spanien dominiert. Gleich neun der 23 auserwählten Spieler stellt die spanische Nationalmannschaft. Bester Spieler des Turniers wurde Xavi. Wären die Niederlande nicht im Viertelfinale ausgeschieden, wäre das für mich aber ganz klar Wesley Sneijder gewesen.

Der beste Torhüter war für mich Iker Casillas. Von den Halbfinal-Türken schaffte es nur ein Spieler ins Team (Altintop), als deutsche Stars finden wir Philipp Lahm, Poldi und Ballack. Schweini hat für eine Nominierung sicher zu wenig gespielt. Die rote Karte dürfte beim Bewertungskriterium “Teamgeist” indes zu starken Abzügen geführt haben.

Die spanische Dominanz im All Star Team kennzeichnet für mich noch einmal mehr den verdienten EM-Gewinn. Herzlichen Glückwunsch.

Übrigens, der Wikipedia-Artikel ist sehr lesenswert. Besonders der Abschnitt Kritik. Dabei wird die UEFA als radikale, china-stylisch angehauchte Zensur-Kontroll-Krake dargestellt, und das ist in der Tat wahr. Ich hoffe, die engstirnigen, grauen Entscheider der UEFA sehen selbst, dass die uns aufgezwungenen Bilder häufig genug mehr schlecht als recht waren (die Regie war das Letzte teilweise). Vom Bildausfall-Deasaster im Halbfinale mal ganz abgesehen.

Die besten Zweiten

Gute Verlierer sind wir. Im Gegensatz zu den Gauchos…

Nachdem mir Moll nachgesagt wurde (ja, Asche auf mein Haupt), will ich auch etwas in Dur antönen: 82 Millionen + 23 = 1 Team. Zwar waren wir 2008 mit Sicherheit nicht die besten zweiten Sieger, die bei einer Europameisterschaft auftreten, aber das, was wir bei den folgend verlinkten Artikeln lesen können, finde ich wirklich schön:

EM-Fazit: Deutschland gratuliert dem Europameister

Ich kann nicht mal richtig traurig sein. Zu verdient war die Niederlage am gestrigen Abend. Spanien hätte zwei-, drei zu null gewinnen müssen. Die nötige Leistungsexplosion der Deutschen blieb aus. Zehn Minuten nach Anpfiff und 20 Minuten Mitte der zweiten Halbzeit waren einfach zu wenig.

Spanien holt also nach 40 Jahren wieder einen Titel. Das reicht dann auch wieder für die nächsten 40 Jahre, Freunde.

Ein Fazit zu ziehen ist schwer. Zu schwankend war von allen die Leistung über alle Spiele hinweg betrachtet.

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Typisches, schreckliches, wunderbares Deutschland! - Die Pressestimmen nach Deutschlands Sieg über die Türkei

So titelt The Sun.

Falscher A-Lahm! Die Türken wurden ausgetürkt. Dieses Mal konnten die Spezialisten im Entkommen ihre Zwangsjacke nicht abstreifen. Als das 2:2 fiel, wurde das Team von Joachim Löw seinem geschichtsträchtigen Namen gerecht: Die Mannschaft. Typisches, schreckliches, wunderbares Deutschland!

Ganz hervorragend gefällt mir auch The Independent:

Lahm hat das letzte Wort und beraubt die Türken ihres verdienten Lohnes. Sie zermürben dich, sie lassen dich glauben, dass du eine Chance hast. Und dann, wenn du es am wenigsten erwartest, brechen sie dir das Herz. Typisch Deutschland

Der portugiesische Publico schreibt:

Höchststrafe: deutscher Sieg nach türkischer Art. Beim dritten Tor mussten die Türken ihr eigenes Gift kosten. Alle glaubten schon an eine Verlängerung - nur Lahm nicht.

Das Algemeen Dagblad aus den Niederlanden schreibt:

Die Deutschen kommen auf die türkische Art ins Finale. Die Türkei hielt sich tapfer, aber bezahlt die Rechnung kurz vor Spielende gegen die perfekte Turniermannschaft. Das Fußballglück für Deutschland scheint nie aufzuhören. Lahm schlug zu, als die Türken keine Zeit mehr hatten, den Schaden zu reparieren.

Und das norwegische Dagbladet fasst kurz und knapp zusammen - und Sie haben Recht:

Ja, der Fußball ist deutsch!

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Last-Minute-Deutschland schlägt Last-Minute-Türkei mit verbaselter Übertragung

Das war nicht gut für meine Nerven. Deutschland mit miserablen Passpiel und einem tendentiell unverdientem Sieg. Aber warum sollen immer nur die Türken Glück haben? Sowieso können wir wohl davon ausgehen, dass wenn wir einen ordentlichen Torwart zwischen den Pfosten hätten, wenigstens eines der beiden Toren nicht gefallen wäre, obwohl natürlich vorher schon eine Menge Glück dabei war, beispielsweise beim ersten Lattentreffer der Türken.

Andererseits hatten auch die Türken Glück mit der Schiedsrichter-Leistung, die ungefähr auf dem Niveau der Übertragungsqualität war. Eine klare Gelb-Rote und ein nicht gegebener Elfmeter sprechen gegen die schweizer Pfeife.

Und dann war ja noch die vermutlich türkische Pfeife im Publikum. Warum bitte geht da kein Ordner hin und nimmt dem Möchtegern-Fan seine Pfeife weg? Unglaublich sowas. So jemand sollte lebenslang, weltweites Stadionverbot bekommen.

Aber egal, die Real-Kassiererin hatte Recht: 3 zu 2 für Deutschland. Finale! Wir kommen!

“Deutsche Wertarbeit” - Internationale Presse zum Erfolg über Portugal

Ich mag ja immer gern die ausländische Presse nach solchen Highlights des deutschen Fußballs beobachten. Bei vielen ist Ballack der Held und gar nicht Schweinsteiger. Klar, Ballack war auch stark und ist die Gallionsfigur des deutschen Fußballs. Aber haben die Redakteure denn alle Tomaten auf den Augen? Und warum sprechen die Italiener und vor allem die Türken von Panzern? Die spinnen doch. Und welche Stürmer (Plural) hat Tuttosport gesehen?

Die deutschen Panzer sind konkret wie immer und schießen zwei Tore in knapp vier Minuten. Die berühmte portugiesische Abwehr wird von den deutschen Stürmern lächerlich gemacht.

Besonders gut gefallen mir folgende Zitate:

Echte deutsche Wertarbeit. Portugal ist zu leicht und zu klein gewesen und von Deutschland im Viertelfinal unsanft aus dem Weg geräumt worden.
(Berner Zeitung)

Ein schönes Deutschland schickt Ronaldos Portugal nach Hause. Vier Schüsse ins Tor, drei Treffer, die Deutschen sind zurück: Genau und pünktlich. Wenn man präsent sein muss, sind sie immer da. Ein sehr schönes Duell. Die Portugiesen haben sich doppelt so viel wie die Deutschen anstrengen müssen, um den deutschen Sturm unter Kontrolle zu halten.
(Gazzetta dello Sport)

In diesem portugiesischen Alptraum tauchten zwei Dinge immer und immer wieder auf. Deutsche Freistöße und Bastian Schweinsteiger.
(Svenska Dagbladet)

Und die Engländer sind auch von Michael Ballack geblendet (”Big Phil is Ballacked!“, “Ballack-Packung für Scolari.“, “Ballack beendet Portugals Träume.“). Das versteht kein Mensch. Dabei haben die jetzt doch mal richtig Zeit, sich mit dem Fußball anderer Nationen zu beschäftigen.

Der Stern lobt das Gesamtbild

Der Stern bringt einen wirklich schönen Artikel. Ein Rundum-Lob für die Mannschaft, die Trainer, die Berichterstattung, Reporter - alles glänzt schwarz-rot-golden. Und man kann nur zustimmen. Zwar fand ich Simons Kommentator-Leistung jetzt nicht so super emotional; für meinen Geschmack etwas zu kühl für dieses heiße Spiel. Und anfangs regten mein Freund Dennis und ich uns über die frühen Fazits auf, wenn etwa schon nach zehn Minuten die besten bisher Leistungen von so manch deutschem Akteur gepriesen wurden. Aber okay, wir haben ja schon viel schlimmeres erlebt.

Jedenfalls lohnt es, den Artikel zu lesen. Tut einfach gut.

Hansis Meisterstück und Schweini, der Portugiesen-Schreck

Und sie straften mich lügen! Danke!

Zwölf Jahre, nachdem Berserker Ulf die Portugiesen rasierte, zwei Jahre nach Schweinis Hammerschüssen gegen die Brasilianer Europas gelingt das Kunststück nochmal - und wie! Der Favorit Nummer eins ist raus, Deutschland ist wieder da, und nun will ich mit dieser Truppe gegen Kroatien ran, Revanche ist angesagt!

Es sah beinahe so aus, als hätte Smokey Löw (er gönnte sich einen Glimmstengel bei seiner Verbannung in die Skybox) alles falsch gemacht und Flick alles richtig. Endlich ist Ballack befreit, Gomez raus und der Ball rein!

Starke Leistungen vom Portugiesen-Schreck, Rolfes, Ballack und Friedrich. Frings vermisste niemand. Gomez schon gar nicht. Wenn Jogi endlich mal dazulernt, lässt er alles so bestehen im Halbfinale! Frings hat mir nicht in den ersten drei Spielen nicht annähernd so gut gefallen wie Rolfes. Auch Hitzlsperger war besser als der Bremer Star, der bei der WM so mächtig spielte (warum schaffte es Frings eigentlich damals nicht ins All-Star-Team? Wohlmöglich wegen seiner Sperre? Egal!).

Das Sommermärchen 2008 hat nun seinen Kickoff, hoffen wir, dass Löw aus dem Erfolg lernt und endlich mal klar auf Leistung setzt.

Bleibt noch ganz klar festzuhalten, dass nicht Schönling Ronaldo Lehmanns Torwartschreck ist (er traf nur einmal in der Premiere League per Elfmeter), sondern Schweini Ricardos Teufelsgestalt. Sechs Tore schenkte der Bayern-Star Portugals erstem Keeper ein.

Schön anzusehen war auch das kleine Fan-Bad einiger deutscher Stars. Und natürlich Sarah, Schweinis Schatzi. Und nicht zuletzt der total besoffene Jugendliche auf der Straße vor meiner Wohnung:

Deutschland ist der geilste Club der Welt!

Die Loser-Vereine der EM

Der Spiegel hat die EM-Loser der Vorrunde gekürt. Und das lässt sich übelst auf genau zwei Vereine ummünzen: Bayern und Chelsea.

Allein, dass die Bayern rund zwei Monate auf Ribery verzichten werden müssen. Dazu kommen die miserablen Leistungen zweier Abwehrrecken, namentlich Marcell Jansen und Willy Sagnol. Dabei steht der bissige Franzose in einem noch schlechteren Licht als Teamkollege Jansen. Immerhin forderte der Teilzeitkapitän der Bayern wehement einen Startplatz. Diesem Anspruch wurde er dann auch nicht in der französischen Elf genüge. Und wenn die Bayern tatsächlich sogar noch Gomez kaufen sollte - und das für wohlmöglich 30 Millionen Euro -, dann sind die Bayern meiner Meinung nach die Vereinsloser der EM. Denn Gomez wird selbstverständlich auch zum zweifelhaft erlesenen Kreis der 12 (11 Spieler + Trainer) gezählt.
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Defensiv reicht nicht

Defensiv allein reicht nicht mehr. Der internationale Fußball ist schneller geworden. Das war selbst aus deutscher Sicht gegen Österreich zu spüren, wenn eklatante Lücken im Mittelfeld klafften.

Griechenland ist als schlechtester Europameister seit der Einführung der 16 Teams-Regelung aus dem Turnier ausgeschieden. Mit der sturen Rechtfertigung, zerstörerischer Fußball sei ja irgendwie auch weltmeister-like.

Dass die Italiener aber doch ein wenig Offensiv-Fußball beherrschen, zeigten sie gegen Frankreich. Und auch, wenn Luca Toni wie Mario Gomez noch kein Tor gelang, so war er wenigstens anwesend und versprühte Torgefahr und besorgte den vielleicht entscheidenden Elfmeter gegen den Vizeweltmeister.

Und eben davon war nie von der trägen Gyros-Truppe zu spüren. Gute Nacht, Griechenland. Euer Triumph war und bleibt definitiv ein Wunder.